sunder warumbe
Eine Initiative von Oliver Groß
Es gibt eine Art von Arbeit, die auf keiner Rechnung steht und mir doch viel bedeutet. Sie führt mich in Schulen und Vereine, zu jungen Menschen, älteren Menschen und zu Gruppen, die sich im Alltag vielleicht selten begegnen. Dort gebe ich etwas von dem weiter, was ich in vielen Berufsjahren und noch mehr Begegnungen erfahren habe: Zeit, Aufmerksamkeit, Rhetorik, Lebenserfahrung und die Bereitschaft, einem Menschen wirklich zuzuhören.
sunder warumbe stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „ohne Warum“. Meister Eckhart verwendete den Ausdruck für ein Tun, dessen Wert bereits im Tun selbst liegt. Dieser Gedanke gefällt mir.
Unter diesem Namen entstehen Begegnungen und Veranstaltungen, für die kein geschäftlicher Zweck im Vordergrund steht. Unter diesem Namen entstehen wundervolle und freudige Begegnungen und Veranstaltungen, die meiner einfachen Vision folgen: Zueinander finden. Miteinander reden. Füreinander da sein.
Zueinander finden beginnt für mich mit Wahrnehmung. Miteinander reden verlangt die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten und trotzdem im Gespräch zu bleiben. Füreinander da sein zeigt sich schließlich dort, wo aus Aufmerksamkeit Verantwortung wird.
Was bei solchen Begegnungen entsteht, lässt sich und soll sich nicht in Zahlen ausdrücken. Manchmal wächst Zutrauen. Manchmal verändert sich ein Blick auf die eigenen Möglichkeiten. Und manchmal bleibt einfach ein Gedanke länger, als irgendjemand an diesem Tag erwartet hätte.
Ganz sicher ist: Der eigentliche Lohn solcher Tage ist, dass man am Ende mehr mitnimmt, als man gegeben hat.
Landschulheim Elkofen
Ein Tag mit einer Schulklasse, die zuerst skeptisch blieb. Rhetorik klang nach Theorie, also nach etwas für später - viel später. Doch als die Ersten nach vorne traten, merkten sie schnell, wie wenig es braucht, um gehört zu werden. Aus dem Zögern wurde Neugier, und aus der Neugier ein Auftreten, das sie sich selbst kaum zugetraut hätten. Am Ende staunten sie über ihre eigene Erkenntnis: Es sind die einfachen Mittel, die den Unterschied machen. Genau dafür bin ich gern dabei.
Solche Erfahrungen wünscht man jedem jungen Menschen
Sängerbund in Berlin
Junge Menschen, die ehrenamtlich im Sängerbund mitarbeiten und sich aus eigenem Antrieb ein Rhetorik-Seminar gewünscht haben, um als Dirigenten, Team- und Übungsleiter andere junge Menschen zu begeistern, zu berühren, zu befähigen und zu bewegen. Ihr Ziel trifft genau das, woran auch mir liegt:
Zueinander finden. Miteinander reden. Füreinander da sein.
Gemeinsames Singen verbindet, und wer diese Verbindung weitertragen will, beginnt bei der eigenen Sprache.
Dass junge Menschen sich so etwas wünschen, hat mich tief bewegt.
Sport, Technik & Rhetorik
Neugierig, wach und offen für Neues, so kamen die Jugendlichen in dieses Wochenende. Wer ihnen begegnet, wird zuversichtlich für das, was kommt.
Beim Workshop mit Machbar e.V. und dem HSC 2000 Coburg standen Sport, 3D-Druck und Rhetorik auf dem Programm. Die jungen Menschen spielten als Team, tüftelten an eigenen Ideen und fanden am Ende den Mut, vor der Gruppe zu sprechen.
Wer jungen Menschen mehr zutraut, bekommt ihr Vertrauen
und aus Vertrauen entsteht echter Dialog.
Phönix Seniorenzentrum
Eine Geschichte kann Erinnerungen öffnen, von denen vorher niemand wusste, dass sie noch so lebendig sind.
Kaum war die erste Begebenheit erzählt, kamen die ersten Erinnerungen. Zunächst ein Satz, dann eine weitere Geschichte, schließlich gehörte der Nachmittag allen im Raum.
Mich berührt immer wieder, wie viel Erfahrung, Humor und Lebensfreude in Menschen steckt, denen manchmal viel zu wenig Gelegenheit gegeben wird, davon zu erzählen.
An solchen Nachmittagen bin ich gern zu Gast.
Wenn Opa Geschichten erzählt
Zweimal im Jahr wird mein Schreibtisch zum kleinen Aufnahmestudio. Im Frühjahr und zum Advent spreche ich Geschichten für meine Enkel ein – private Hörbücher für ihre Toniebox.
Ein Mikrofon, ein Text und natürlich ein ruhiger Moment und viel Geduld (die Versprecher eben!). Mehr braucht es oft nicht, damit Nähe entsteht, denn Geschichten verbinden über Entfernung hinweg, gerade dann, wenn 400 Kilometer zwischen uns liegen. Und manchmal bleibt eine vertraute Stimme länger im Ohr, als man denkt.
Für mich ist das eine besonders schöne Form des Erzählens. Ganz schlicht. Ein Großvater, der seinen Enkeln etwas mitgibt: Zeit, Stimme und ein paar Geschichten, die bleiben dürfen.
Erinnerungen, Wünsche und was mich bewegt
Ich glaube daran, dass jeder Mensch Erfahrungen besitzt, die ihm etwas mitgegeben haben. Erfreuliche ebenso wie jene, auf die wir gern verzichtet hätten. Gerade deshalb möchte ich Menschen ermutigen, ihren Erfahrungen, ihren Fähigkeiten und ihrem eigenen Urteil etwas zuzutrauen. Dafür braucht es Menschen, di aufmerksam hinsehen, zuhören und sagen:
Ich nehme Sie ernst. Erzählen Sie weiter.
Ich bin davon überzeugt, dass in einem jeden Leben bestimmte Dinge passieren. Die guten und die, die wir am liebsten streichen würden: Momente der Niederlagen und Augenblicke, in denen man sich macht- und vielleicht sogar wertlos fühlt.
Wenn dich keiner mehr versteht, ich will es versuchen.
Das Mutterhaus wo alles begann