Das mach ich freiwillig

𝗗𝗮𝘀 𝗺𝗮𝗰𝗵𝗲 𝗶𝗰𝗵 𝗳𝗿𝗲𝗶𝘄𝗶𝗹𝗹𝗶𝗴.
Urlaubszeit, es ist soweit. Was sich anhört wie ein kleiner Reim, ist bei den meisten von uns eher ein Seufzer der Erleichterung, weil es bald losgeht, losgehen kann und auch darf.

Und wir sind auch felsenfest davon überzeugt, ihn verdient zu haben, diesen Urlaub.

Beschreiben tun wir es mit den herrlichsten Aussichten: endlich entspannen, ausschlafen, in den Tag leben, alle viere von sich strecken oder wahlweise auch mal alle fünfe gerade sein lassen.

𝗚𝘂𝘁, 𝗯𝗲𝗶 𝗺𝗶𝗿 𝘀𝗶𝗲𝗵𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝘀 𝗝𝗮𝗵𝗿 𝗴𝗮𝗻𝘇 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝘀 𝗮𝘂𝘀.
Drei Wochen extrem früh aufstehen, den ganzen Tag über ohne Pause gefordert sein und abends todmüde ins Bett fallen, damit ich am nächsten Morgen wieder fit bin. Freiwillig und ohne jede Not. Ja, ich freue mich sogar darauf, obwohl ich jetzt schon weiß, dass ich danach mindestens eine Woche Erholung brauche.
Also zähle ich die Tage, und die Freude wächst mit jedem einzelnen. Fast wie an Weihnachten zähle ich, wie oft ich noch schlafen muss und mit jedem Tag weniger steigt zugleich die Aufregung.

Aber so weit bin ich noch nicht, denn tagsüber laufen die Vorbereitungen, und die sind wichtig: Fitness steigern, Gelenkigkeit verbessern und Ausdauer trainieren. Dazu kommen noch ganz viele Geschichten, die ich mir ausdenken muss, damit ich für alle Eventualitäten, für alle Situationen und für jedes spontane Ereignis gewappnet bin.

Wer das für übertrieben hält, war noch nie dabei. Ich übe das Aufstehen vom Boden, weil ich dort öfter landen werde als in jedem Sessel. Ich trainiere das Tragen, ohne dabei außer Atem zu geraten, und ich lege mir Antworten zurecht auf Fragen, die noch kein Mensch gestellt hat.

Für jede Geschichte halte ich eine zweite bereit, falls die erste nach drei Sätzen durchschaut ist. Denn abgesagt wird hier nichts und verschoben ebenso wenig, und einen freien Nachmittag, an dem ich mich kurz sammeln könnte, sieht der Plan nicht vor.

Kein Urlaub zum Relaxen, und doch werde ich jede Minute genießen, ach was, jede Sekunde. Drei Wochen jeden Tag mit meinen Enkelkindern, die schon da sind, und mit dem einen, das während dieser Zeit das Licht der Welt erblickt. Der schönste, entspannteste und zugleich glücklichste Stress, den es gibt.

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